Gibt es Mobbing im Kindergarten? Der Muck hat Angst vor dem ‚Großen‘.

2. April 2018 — Hinterlasse einen Kommentar


Der Muck geht, seitdem er 2.5 Jahre alt ist, gerne in den Kindergarten. Einige Wochen nach seiner Eingewöhnung im letzten Spätsommer wurde dieser Frieden aber schon getrübt. Das Ganze zieht sich nun seit fast 5 Monaten und uns gehen die Mittel aus, daher schreibe ich darüber.

Ende letzten Jahres erzählte er mir erstmalig, dass ein großer 6-Jähriger ihn ‚mitnehmen will‘. Ich sagte erfreut: ‚Na das ist doch toll, dann mag er Dich und will mit Dir spielen!‘. Heftiges Kopfschütteln. ‚Neiin Mamaa! Der will mich wegnehmen! Ich habe Angst!‘ Oh; was war das bitte?! Der Muck ist nicht ängstlich; er ist ein draufgängerischer Chaot, aber friedvoll dabei! Und dass ihn mal ein größeres Kind piesackt, kommt vor. Ich wollte der Sache nicht zuviel Gewicht beimessen und ihm außerdem die Gelegenheit dazu geben, sich selbst zu behaupten. Das kann er eigentlich ganz gut! Daher beließ ich es dabei.

BESTANDSAUFNAHME – HARMLOSE HÄNSELEI ODER IST DAS MEHR?
Wenige Tage später sprach der Muck dasselbe wieder aus: Der Junge wolle ihn mitnehmen, was ihm Angst bereite. Er konnte sehr gut imitieren, wie unfreundlich der Große zu ihm sprach. Ich berichtete Herrn Lampenhügel und wir befragten den Muck und seine große Schwester; sie besucht schließlich denselben Kindergarten und der ist überschaubar. Sie erzählte, dass der Muck von ihr sowie auch von anderen Kindern vor dem Großen beschützt würde; das sei schon oft passiert. (Oft?? War das ein Kinder-oft oder ein oft?). Langsam schwante uns, dass es sich hier nicht um eine einmalige Laune eines Älteren handelte, was für denjenigen vielleicht nur ein ‚unterhaltsames Austesten seiner Macht‘ bedeutete, sondern dass es sich für den Muck zu einer dauerhaften Belastung entwickeln könnte. Wir waren zwar nicht alarmiert, weil der Muck kein ausgeprägtes Angstverhalten zeigte und diese wiederholte Äußerung des Großen (‚ich nehm‘ Dich mit!‘) in Erwachsenenohren recht harmlos klingt, aber beiseite tun konnten wir das Thema nicht mehr; denn in Kleinkinderohren wirkt diese Äußerung sicherlich anders. Ich bin ein Freund davon, dass Kinder Konflikte untereinander regeln sollten und lernen sollten sich zu wehren. Aber hier besteht ja ein klares Machtgefälle, zwischen dem mehr als 3 Jahre älteren und damit klar überlegenen Kind und dem Muck! Ich war dazu geneigt, die Situation zu verharmlosen, weil die Wortwahl noch hart an der Grenze ist und ja auch keine körperliche Gewalt im Spiel… aber natürlich will ich nicht, dass der Muck dauerhaft von einem älteren Kind geärgert und geängstigt wird; und dass er daraus ggf. Schäden davontragen könnte! Bullying, Mobbing oder Bossing wird es immer und überall geben – leider! – und man kann seine Kinder nicht vor allem und jedem beschützen, aber MUSS denn das jetzt schon sein? Mit knappen 3 Jahren? So gemein!Mobbing Muck

FINDUNGSPHASE: 
Wir behielten die Ruhe. Als Erstes versuchten wir immer wieder den Muck zu stärken und gaben ihm alle möglichen Herangehensweisen an die Hand: Wir erklärten ihm, dass er keine Angst zu haben brauche, da ihn niemand einfach mitnehmen könne! Er solle laut ‚Stop! Hör auf! Ich will das nicht! – rufen oder einfach weggehen und sich sofort Hilfe bei den Erwachsenen holen (nicht bei anderen Kindern). Wir haben uns den Mund fusselig geredet, aber wir konnten ihm die Angst nicht nehmen. Wir sind also unfähig, unserem kleinen Muck mit unseren Mitteln wie Logik und Erklärung verständlich zu machen, dass die Äußerung des 6-Jährigen keine Konsequenzen für ihn haben würde! So standen wir diesem ‚Ärger-Problem‘ also genauso wehrlos gegenüber, wie der Muck dem 6-Jährigen. Ohne hektisch zu werden, überlegten wir, was wir tun konnten.

ERSTE SCHRITTTE
Ich suchte das Gespräch im Kindergarten: Von Auseinandersetzungen, die über ein normales Maß hinausgingen, habe man nichts bemerkt. Ich bat um erhöhte Aufmerksamkeit in diese Richtung. Wir waren etwas erschrocken, dass solche Ärgereien schon im Kleinkindalter Platz haben und überhaupt in wiederholter Weise im Kindergarten stattfinden können (offensichtlich gibt es Nischen). Da uns dann auch Freunde unserer Kinder, die denselben Kindergarten besuchen, antrugen, dass sie den Muck vor dem Großen beschützen würden, sprach ich auch mit deren Müttern darüber. Manche beschrieben ähnliche Situationen, die ihre eigenen oder andere Kinder mit dem Jungen erlebt hätten. Auf der einen Seite beruhigte es uns, dass der Muck nicht die alleinige Zielscheibe des Großen zu sein schien, auf der anderen Seite war also doch mehr an der Sache dran – auch nicht gerade toll… Ich war jetzt natürlich sensibilisiert und beobachtete alles in der täglichen Abholsituation im Kindergarten. Tatsächlich fiel mir die ein oder andere Situation auf, in der sich der Große anderen Kindern gegenüber nicht gut verhielt. Der Muck erzählte auch weiterhin regelmäßig, dass der Große immer wieder ‚ich nehm‘ Dich mit!‘ zu  ihm sagte und er Angst davor habe. Er wandte sich auch initiativ an andere Bezugspersonen wie das Ömchen oder die Patentante und träumte 2  Mal von dem Großen (das weiß ich, weil er laut seinen Namen ausrief). Das Thema war also seit Wochen immer wieder auf dem Tisch; mal mehr, mal weniger. Dann erlebte ich zufällig, WIE groß Muckmanns Angst vor dem Großen doch war; er traute sich nicht an ihm vorbei zu gehen. Auch mit mir zusammen an meiner Hand konnte ich den Muck nicht davon überzeugen, vorbeizugehen – er klammerte sich an mich und vergrub sein Gesicht in meinen Schoß. Ich hatte seine Angst unterschätzt und jetzt war klar, dass ich aktiv werden musste.

UNSERE MAßNAHME:
Ich sprach die Mutter des Großen an, schilderte ihr die Lage und bat um ein Treffen. Ich erhoffte mir, dass das Ärgern durch das sich einander bekannt oder vertraut machen aufhören würde. Sie reagierte zum Glück sehr verständnisvoll und kooperativ! Sie wisse, dass der Große schon andere Kinder geärgert habe und räumte ein, dass er zur Zeit aus mehreren Gründen frustriert sei; aber dass er den Muck im Speziellen ärgern würde, davon hatte sie bisher nichts gewusst. Natürlich könne sie nur mit ihrem Sohn darüber sprechen, wenn sie überhaupt darüber bescheid wüsste, daher war sie froh, dass ich sie angesprochen hatte. Wir vereinbarten ein Treffen bei ihnen zu Hause, damit sich die beiden außerhalb des Kindergartens kennen lernen konnten.

DAS TREFFEN
…war unverhofft toll: Die 2 Jungs spielten sehr schön zusammen, mit Schwertern, kämpften, tobten, aber alles auf eine rücksichtsvolle und respektvolle Weise. Wenn man nicht gewusst hätte, was der Grund hierfür gewesen war, hätte man denken können, die beiden seien Freunde! Jetzt war der Große nicht mehr in dieser gelernter Ärgerer-Position sondern eher in einer Vorbildfunktion und damit fühlte er sich sichtlich wohl! Am Ende durfte sich der Muck sogar ein Schwert ausleihen und der Große meinte, dass er ein wirklich mutiger Kämpfer sei. Alle Beteiligten waren erleichtert und selig, dass es ein so gutes Treffen gewesen war und wir wollen das sogar gerne wiederholen!

UND JETZT
…sind ein paar Wochen vergangen, in denen wir uns durch Urlaube, Krankheiten, Ferien, usw. nicht treffen konnten. Der Muck erzählte leider schon wieder mehrfach, dass ihn der Große ‚mitnehmen‘ will und er Angst habe. Ich selbst habe erlebt, dass der Große den Muck in meinem Beisein so unfreundlich angesprochen hat, dass ich genau weiß, warum er Angst hat.
Unser Plan ist also nicht aufgegangen!!! Das einmalige private Treffen hat die Situation im Kindergarten nicht positiv beeinflusst! Wir sind etwas ratlos und haben nun einen offiziellen Termin im Kindergarten einberaumt, da wir denken, dass etwas getan werden muss. Die sehr freundliche Mutter des Großen werde ich auch noch einmal kontaktieren…. – und um ein zweites Treffen bitten? Bei uns zu Hause? Herrje! Wir können ja nicht einfach warten, bis der Große im Sommer den Kindergarten verlässt, das sind ja noch fast 5 Monate…?

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