Darwin vor unserer Tür oder: Das Auge frisst mit. Ein NATURliches Nachmittagsspektakel

13. Oktober 2016 — 2 Kommentare


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Es war Ömchentag und nachmittags hatten wir vor, mit den beiden Muckligen eine Busfahrt zu unternehmen. Einfach so zum Spaß; weil das Schätzlein schon lange einmal wieder Bus fahren wollte. Also schlenderten wir die paar Meter bis zur nächsten Bushaltestelle rüber, noch 15 Meter und wir wären da gewesen. Und: Wie sollte es anders sein? Der Bus fuhr uns vor der Nase weg. Normalerweise hätte ich mich geärgert und irgendwas von ‚Murphys law‘ gefaselt, aber heute war ja nur die Fahrt an sich wichtig und nicht das wann und wohin. Wir hatten kein Ziel, ha, der vielfach beschriebene Weg war unser Ziel. Ein super-befreites Gefühl, …hmomm!

Wir kamen also entspanntest an der Bushaltestelle an und entdeckten im danebenliegenden Garten freilaufende oder flatternd-fliegende Tauben. Also keine Tauben wie man sie kennt; Ratten der Lüfte! Nein, das hier waren wirklich schöne Rassetauben, weiße Tauben. Mit Beinkleid, also mit Federn an und über den Füßen, richtig edel. Die 2 Muckligen rannten sofort bis zum Gartenzaun hin und drückten ihre Nasen zwischen den Streben durch, um die Täubelein besser sehen zu können. Der Taubenbesitzer, der wachsam mit einem längeren Stock zwischen seinem Federvieh umher ging, wurde vom Muck auch sogleich mit seinem schönsten ‚Alloo!‘ begrüßt. So kamen wir (wieder) recht schnell mit dem freundlichen Mann ins Gespräch; vor einigen Tagen hatten wir die Tauben schon einmal bewundert und da durften die zwei Muckligen sogar eine streicheln. Dieser Nachbar zweiten Grades – er wohnt so um die 2 Straßen weiter – hat einen ganzen Taubenschlag mit sog. Rolltauben, ließ er mich wissen. Und die lässt er recht oft fliegen. Für die Kinder war das Streicheln eines Vogels natürlich ein einprägsames Erlebnis und sehr nett! „Ich habe heute ein Täubchen gestreichelt“; das klingt doch auch nett und hat Seltenheitswert!

Heute hatten die Täubchen wieder Ausflug und genossen es sichtlich. Es war recht tümmelig und ca. 30 Täubelein wuselten durch die Gegend. Sie sehen übrigens nicht nur schön aus, sondern können auch etwas besonderes, habe ich gelernt: Salti und Schrauben fliegen! Raketenmäßige Rückwärts-Salti, durch die sie Schwung holen, um schnell an Höhe zu gewinnen. Ich muss wohl sehr ungläubig geschaut haben, als der Taubenmann uns das erzählte, denn er fing sofort bereitwillig an, einen Salto zu demonstrieren. Also er brachte die Taube zum Demonstrieren. Flatter-flatter, sie flog ca. 1m hoch, dann ein Salto und hups – och (!), jetzt fliegt sie ein gutes Stück höher. Weiter flatter-flatter, jetzt auf ca. 2m Höhe, schwupps, noch ein Salto und – oh wie schön!- die kleinen Mündchen der Muckligen stehen staunend offen. Alle hier sind ganz happy über diese unverhoffte Darbietung… da macht’s WUUUUUSCH! – und das Salti-fliegende Täubelein… nee, ist nicht gegen die Garagenwand geflogen, …also WUUUUSCH! das Täubelein ward… weggemopst! Mitten im schönsten Saltoflug – von einem – ja, wenn wir uns da mal einig wären – Habicht? Bussard? … Hm. Raubvogel! Soviel kann ich sagen.

Oh. Das kam nun völlig überraschend und wir alle guckten jetzt mehr verschreckt denn verzückt dem Greifvogel samt Täubelein hinterher. Das Schätzlein wollte immer wieder wissen: Mammaaa, was waahar das, Mammaa? Ich habe dann kindgerecht erklärt, dass der große Vogel eben auch Hunger hat und kein Gras, sondern kleinere Tiere futtert. Für sie war das anscheinend ok und verständlich. Erst dachte ich natürlich: Oh mann, die arme, schöne Taube – jetzt ist sie ergriffen! Aber dann rückte ich mein Bedauern zurecht und sagte mir: Hier hat sich Mutter Natur eingeschaltet. Der Greifvogel hat ja auch bloß Hunger und Lust auf ein Nachmittagshäppchen – und das Auge frisst schließlich mit! Ich hätte mir auch so ein schickes Ding herausgepickt aus dem sonstigen Alltags-Fraß, wenn ich die Gelegenheit dazu gehabt hätte.. Trotzdem: Wir haben alle nicht so richtig kapiert, was da eben passiert war, es ging so schnell und kam aus dem Nichts! Nur der Taubenbesitzer, jetzt minus 1, reagierte blitzschnell. Er rannte dem Greifvogelfedervieh, das seinem Namen alle Ehre machte, laut pfeifend hinterher und wedelte dabei mit besagtem Stock in der Luft herum oder klopfte damit an Wände und auf Boden. Und er hatte tatsächlich Erfolg damit: Irritiert ließ der Greifvogel das Täubelein einige Meter weiter einfach fallen! Jetzt staunten wir noch mehr. Der Große Vogel mit seinen großen Fängen lässt den kleinen Vogel wieder los? Alles umsonst? Hm. Der Taubenbesitzer stellte entschlossen fest, dass das wieder ein Habicht war; ein Habichtweibchen (weil die größer sind als die Männchen und demnach größere Tiere jagen) und er machte sich sogleich auf die Suche nach seinem vergriffenen Täubchen. Solche Angriffe seien schon öfter vorgekommen, meinte er im Gehen, 2 Tauben hätte er bereits verschmerzen müssen. Wir bezweifelten nun, dass die Taube noch lebte, denn eine solche Attacke dient -und das wusste das Fauna und Flora bewanderte Ömchen zu berichten – bei Habichten der sofortigen Tötung der Beute. Das Ömchen meinte weiter, dass es aber eigentlich kein Habicht gewesen sein könne, da dieser nur im Wald lebe. Sie vermutete eher einen Bussard, wobei der doch kleineres Getier jagt? Man war sich uneinig über die Gattung des Räubers. Nach einer kurzen Zeit kehrte der Taubenbesitzer mit seiner 30. Taube, (auch noch seine Beste…) zurück! Er hatte sie am ‚Rupfplatz‘ des Greifvogels gefunden! Der Rupfplatz ist der Ort, an dem der Greifvogel seine Beute rupft und verspeist. Die Taube war stark am Bauch verletzt und blutete, aber sie lebte! Aus Rücksicht zeigt er sie uns und vor allem den Kindern nicht aus der Nähe, sondern verarztete sie mit Wundspray und Streicheleinheiten. Dann ließ er sie wieder laufen; sie humpelte, aber immerhin konnte sie noch humpeln… Es bleibt zu hoffen, dass sie keine großen, inneren Verletzungen hatte und weiterhin lebt.

Dann kam der Bus! Wie gerufen; das Schauspiel war zu Ende und die Kinder hatten ihre erste Lektion vom Fressen und fast gefressen werden gelernt.
DAS war ein ziemlich aufwühlendes Warten auf den Bus gewesen! Wir verabschiedeten uns vom Taubenmann und traten unser eigentliches Abenteuer an: Die Busfahrt ins Nirgendwohin. Die war dann aber gegen das Taubenspektakel natürlich nicht so aufregend, dennoch sehr schön. Wir fuhren bis zu einem großen Spielplatz, den wir noch nicht kannten und die Muckligen spielten ausgelassen. Abends im Bettelein haben wir das Taubenspektakel noch einmal besprochen; die Kinder waren immer noch erstaunt über die Fähigkeiten der Tauben und haben die Jagdsituation eher als etwas nebensächlich abgespeichert, so schien es mir.

Hier habe ich ein paar Infos zu den infrage kommenden Greifvögeln zusammengesucht. Auch das Ömchen ihrerseits hat über das Federvieh recherchiert und meint nun auch, dass es ein Habicht gewesen sei. Zu der zaghaften Feststellung war ich auch gekommen. Wer jetzt immer noch interessiert weiterlesen möchte: Hier eine kleine Vogelkunde:

Habichte
jagen vorwiegend kleine und mittelgroße Vögel und auch Kleinsäuger. Die Weibchen sind deutlich größer als die Männchen; das spiegelt sich auch im Beuteschema wider: Das Männchen ist mit Kleinvogelvieh zufrieden (Amsel, Fink uhund Star…), das Weibchen bevorzugt Tauben, Hühner und Kaninchen. Habichte leben in Waldgebieten, seit den 1960er-Jahren aber auch in Städten (das habe ich nun vielfach gelesen!). Der Habicht ist ein Überraschungsjäger; er taucht aus dem Nichts auf und verschwindet nach der Attacke wieder. Geschickt nutzt er Häuser, Sträucher und ähnliches als Ansitz für den Angriff (in unserem Falle geschehen). Habichte töten ihre Beute noch im Flug, indem sie sie mit ihren Fängen festhalten und ihre kräftigen Krallen so lange in das Beutetier hineinbohren, bis es aufhört sich zu bewegen.

Bussarde
jagen eher Kleintiere, hauptsächlich Mäuse, aber auch Regenwürmer, Insekten oder kleine Vögel und töten ihre Beute, nachdem sie sie gefangen haben, am Boden. Der Bussard ‚rüttelt‘ zudem – eine besondere Flugtechnik, mit der er sozusagen in der Luft stehen kann. Bussarde nehmen häufig schon verletzte oder gar tote Tiere auf. Wegen dieser Eigenschaften, die nicht auf den Vogel zutreffen, den wir gesehen haben, glauben wir, dass wir bei unserer Begegnung keinen Bussard gesehen haben!

Rolltauben
Diese Bezeichnung ist unter Taubenzüchtern gängiger Jargon; sie beschreibt das Können der Tauben (Rollen=Salto fliegen). Rolltauben sind Kunstflugtauben; es gibt sehr viele Arten, z.B. den Birminghamroller, Bursa-Roller, die Andijan-, Bakina-, oder Taklataube.. sie können je nach Art mehrere Schrauben oder bis zu 6 Salti hintereinander fliegen ohne an Höhe zu verlieren. Sie kommen aus der Ukraine, aus Usbekistan, aus dem Kaukasus oder der Türkei, oder oder…

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2 Antworten zu Darwin vor unserer Tür oder: Das Auge frisst mit. Ein NATURliches Nachmittagsspektakel

  1. 

    Oh, ja wenn Sie das auch so sehen, war es wohl ein Habicht. Sehr schönes Wortspiel übrigens! Der Habicht dachte bestimmt ‚Mist, DIE Taube Habich(t) nicht gekriegt!‘. Ja und klar: Weder Huhn noch Ei sollten en masse, gedankenlos und unwissend verzehrt werden. Auch Kälber und Lämmer und die Schweinderl… und das ganze Plastik überall drin – im Duschgel! Alles fies. Aber das ist dann ein nächster Beitrag. Vielleicht auch mit dem Hauptthema Duftstoffe in alltäglichen Produkten( wie z.B. Cremes, Spüli, Reiniger, usw. usw.) und (unterschwellige) Beduftung; in Kaufhäusern, Kinos, Schuhläden… Das ist nämlich auch ziemlich… buäh!

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  2. 
    beatriceconfuss 13. Oktober 2016 um 19:44

    Also, da in der Nachbarschaft hier auch gern mal ein Habicht unterwegs ist um Kaninchen oder Hühner zu jagen, wird das mit dem Habicht angehen. In Anbetracht, dass ihr auf den Bus gewartet habt, hätte mir ein Bus-sard aber auch „gefallen“. 😀 Die arme Taube. 😦
    Ach ja. Aber so ist die Natur. Besser ein Habicht frisst eine Taube, als der Mensch Tonnen von Legebatterie-Hühnern.

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