Stillen – Stille – Still. Eine Ode an das Stillen.

25. Oktober 2016 — Hinterlasse einen Kommentar


Vor ein paar Tagen habe ich auf Lisas schönem Blog geborgenundgeliebt.de den Gastbeitrag von Fledermama übers Langzeitstillen gelesen. Fledermama wohnt zurzeit in Shanghai und stillt ihren Sohn noch, der 1.3 Jahre alt ist. Sie hat bisher gute Erfahrungen gemacht, obwohl sie das in Asien gar nicht so erwartet hatte! Beim Lesen ihres Beitrags ist mir das Lichtlein aufgegangen, dass das Stillen ein Thema ist, das mich aktuell (also seit 3,5 Jahren) auch beschäftigt! Das hier ist aus meinen Überlegungen geworden:

Ich schätze mich glücklich, dass das Stillen bei meinen beiden Kindern völlig problemlos geklappt hat; das hatte ich mir immer gewünscht. Meine Gesundheit und die gesamte Situation hier haben es zugelassen, dass ich den Muck, heute fast 2 Jahre alt, bis heute stillen kann.

Ich hatte nie vor, meine beiden Kinder so und so lange zu stillen oder dann und dann abzustillen. Es ist alles von alleine so gekommen, wie es gekommen ist. Das Stillen klappte schon beim Schätzlein super. Sie hat sich dann im Alter von 14 Monaten ganz sukzessiv selbst abgestillt; ohne mein Zutun bzw. Verwehren. Das fand ich zum einen sehr schön, da sie es selbst so gewählt hatte und offensichtlich in die nächste Lebensphase eingetreten war. Ich wollte ihr nie etwas wegnehmen, das Stillen also initiativ unterbinden. Zum anderen fand ich ihr eigen bestimmtes Abstillen damals auch traurig, weil damit für mich ein großer, erster Abschied einherging. Der Abschied von der innigsten Baby-Zeit. Ich war damals schon schwanger mit dem Muck – vielleicht schmeckte ihr die Milch daher nicht mehr…? Das ist anzunehmen. Also war es Mutter Natur, die da abgestillt hat, das war für alle in Ordnung so. Das Abstillen an sich habe ich nicht als schwierig empfunden; ich hatte keine schmerzende Brüste oder gar einen Milchstau.

Stillen = Rüsten
Mein Sohn, der Muck, ist heute fast 2 Jahre alt und ich stille ihn noch bei Bedarf. Bedarf bedeutet: Sofort morgens beim Aufwachen. Mittags zum Mittagseinschlafen, nachmittags seit neuestem nicht mehr so oft, aber abends vorm Zubettgehen und auch noch nachts, wenn er aufwacht. Natürlich nimmt er bereits feste Nahrung zu sich und ich weiß, dass das Stillen für uns beide inzwischen nicht mehr reines Ernähren, sondern vielmehr Nähe, Geborgenheit, Sicherheit und Kuscheleinheiten bedeuten. Und das ist gut so, das ist schön! Weil ER es so möchte und weil es sich auch für MICH weiterhin gut anfühlt. Manches Mal ist Stillen unerlässlich gewesen, das einzige Mittel zur Beruhigung beider Kinder…! Was hätte ich nur getan, wenn es meine Brust nicht gegeben hätte…?! Ich konnte immer auf den Alleslöser zurückgreifen. Ging nix mehr, ging die Brust. Bäm! Stillen, das bedeutet für mich auch Schutz: Erwiesener Maßen verringert es das Risiko für Brustkrebs und Allergien (und noch vieles mehr!). Da ich selbst hochgradige Allergikerin bin, wollte ich meine Kinder um Gottes Willen vor Allergien bewahren! Dafür habe ich schon in der Schwangerschaft getan, was man so tun kann – und dazu täglich Nüsschen gefuttert, obwohl ich eine offengelegte Nüsschen-Abneigung hege. Haselnüsse sind die Schlimmsten, puhää! Keine Ahnung, wie ich das geschafft habe, Mutter Natur war gnädig mit uns: Bisher sind beide Kinder –toitoitoi– Allergie-, Asthma-, und Neurodermitisfrei. Das wären sie vielleicht auch geworden, wenn sie schon früher nicht mehr oder gar nicht gestillt worden wären und anstatt dessen die Flasche bekommen hätten – es gibt ja auch unzählige schöne Beispiele, bei denen die Kinder allergiefrei sind ohne das Stillen. Da es aber bei mir weiterhin so gut läuft (…) mache ich mit dem Stillen weiter. Zu guter Letzt erhält der Muck durch die Muttermilch ja außerdem noch wertvolle Abwehrstoffe gegen alles Mögliche von mir; den Nestschutz. Also spricht meiner Ansicht nach alles dafür, ihn weiter zu stillen – auch, wenn er „schon“ fast 2 Jahre alt ist. Damit kommen wir direkt zur nächsten Frage:

Wie lange stille ich mein Kind?
Das Stillen hat mich teilweise auch eingeschränkt – bis heute. Ich habe quasi 3,5 Jahre durchgestillt und beide Kinder haben, bis sie gute 1.5 Jahre alt waren, keine Flasche akzeptiert. Deswegen konnte Herr Lampenhügel die erste Zeit weder abends noch nachts etwas bei den Muckligen ausrichten; da wurde eindeutig die Brust verlangt. Da beide Kinder zudem auch sehr schlechte Schläfer waren, hat sich mein Ausgehverhalten sagen wir… auf ein überschauliches Nichts reduziert. Ich konnte zwar nicht so gut ausgehen, aber doch Besuch empfangen – für mich ist das ein nachvollziehbarer Verzicht, den ich gerne ausübe; also alles ok! Ich lasse den Muck weitertrinken; genau wie beim Schätzlein nehme ich ihm seinen festen Halt, die Mama-Brust, nicht aktiv weg. Jetzt, da sich der Muck abends auch vom Papa beruhigen lässt, erweitert sich mein Aktionsradius ja wieder und das ist eine sehr schöne Entlastung für mich (und ein schönes Gefühl für Herrn Lampenhügel!). Ab morgen gehe ich wieder zum Sport.

Stillen in der Öffentlichkeit
Also – ich selbst habe noch NIE schlechte Erfahrung damit gemacht! Weder doofe Blicke, Kommentare oder sonstiges; eher habe ich ermutigende, bestaunende Blicke vernommen; das hat mich positiv überrascht! Nun stille ich in der Öffentlichkeit auch sehr dezent(!); es gehört zwar seit über 3,5 Jahren zu meinem Alltag, täglich mehrfach meine Brüste heraus zu pruseln und ein Kind anzudocken, aber ich möchte meine Brust zum einen nicht „präsentieren“ und sie „auspacken“ (dieser Anblick ist meinem Herrn Lampenhügel vorbehalten!), zum anderen nehme ich auch Rücksicht auf Anwesende! Es gibt sicherlich Menschen, die in einem Café sitzen und auf den Anblick von freigelegten Brüsten verzichten möchten. Menschen, deren Vorgeschichte ich nicht kenne. Das ist auch in Ordnung! Zuhause oder bei Freunden achte ich nicht so sehr auf das „wie“ (…sorry, meine lieben Leute…!).
Manchmal läuft es natürlich nicht so wie ich will; der Muck zappelt, tut und macht alles, bloß nicht trinken… dann bin ich echt in Stress geraten; alles ist dann unangenehm und man spürt die Blicke… Es ist aber bei wenigen  dieser Ausnahmesituationen geblieben und überraschenderweise hat das jeweilige Umfeld sehr wohlwollend, nämlich gar nicht reagiert. Trotzdem hat es mich schon manches Mal gewundert, wie andere frischgebackene Mütter übers Stillen in der Öffentlichkeit denken. Einer Mutter war z.B. total klar, dass sie niemals draußen stillen würde; sie hat ihr Kind lieber sofort an die Flasche gewöhnt. Das hat mich erstaunt und erschreckt. Ich sehe Stillen als etwas sehr natürliches und schönes an und ich selber möchte nicht darauf verzichten. (Wobei ich da wirklich auch reinwachsen musste). Die ersten Male habe ich mich beim Stillen in der Öffentlichkeit unwohl gefühlt; es ist eben doch „die Brust auspacken“ und ich war‘s nicht gewohnt; wie auch?! So richtig allgemein akzeptiert ist die Sache ja auch doch nicht und darum gehört es bis heute nicht zu den Dingen, die ich saugerne mache. Aber manchmal muss es eben genau dann sein, wenn man im Café sitzt und gerade das Heißgetränk seiner Wahl bestellt hat! Bevor das Kind vor Hunger brüllt… dann doch lieber gestillt: Genau! Stille. Darum heißt es ja auch so. Ich fand es immer selbstverständlich, meinem Kind seine Nahrung zu geben, wenn es Hunger hatte. Damit bin ich bis jetzt gut gefahren und so werde ich auch weitermachen.

Das Loslassen
Das ist auch so ein bisschen mein Thema: Ich wollte lange Zeit nicht, dass sich der Muck abstillt; so ist er noch ein bisschen länger mein Kleinkindbabyjunge… Durch Stillen wurden mein Kind und ich zur kleinsten gemeinsamen Einheit, an die niemand rankommt! Ich fühl(t)e mich unersetzbar und das ist ein ziemlich tolles Gefühl…! Inzwischen habe ich mich innerlich von Muckens Babyzeit verabschiedet – er beginnt gerade explosionsartig mit dem Sprechen und plappert alles nach! Langsam kann ich mich ein Stück weit lösen und schaffe Platz für Neues. Sillen hat für mich also auch etwas mit Loslassen, bzw. nicht Loslassen zu tun.

Apropos: Lange, bevor ich eigene Kinder hatte und ich wirklich noch nie über’s Stillen nachgedacht hatte, habe ich einmal eine Situation erlebt, die mich verwirrt und unangenehm berührt hat, weil es ein sehr ungewohntes Bild für mich war. Ein ca. 5- bis 6-jähriger Junge ging auf seine Mutter zu, machte sich zielstrebig ans Öffnen ihrer Bluse und forderte sehr klar, „Mama, ich will jetzt an die Brust!“ und dann nahm er sich, was er haben wollte. In meinen Augen hatte die Situation nichts mit dem Ernähren eines Säuglings oder eines Kleinkindes zu tun; daher war es mir buchstäblich fremd. Heute kann ich viel besser differenzieren und weiß, was ich damals so komisch fand: Es war nicht das Stillen an sich; jedoch war mir die Art und Weise zu freizügig und die Frau hatte außerdem zugelassen, dass über sie bestimmt wurde. Das, muss ich zugeben, hätte ich anders gelöst; damals wie heute.

Mein Körper gehört mir
Als stillende Mama bekommen die Brüste ja außer den bisher sexuellen Aspekt den Aspekt des Überlebens zugeordnet, sie sind ein Stück weit funktional. Das Verständnis für meine Brust änderte sich mit dem Stillen; ich teile meinen Körper mit meinem Kind, ich stelle ihn ihm zur Verfügung. Wenn der Muck irgendwann nicht mehr bei mir trinkt und meine Brust wieder ganz mir gehört – das kann ich mir noch gar nicht vorstellen; ein komisches Gefühl!
Der Muck hatte aber zwischendurch auch Anwandlungen entwickelt, die mir unangenehm waren: Er fuhrwerkte mir am Reißverschluss meiner Jacke herum und machte durch Ziehen, Zuppeln und Knatschen recht penetrant klar, dass er an die Brust WILL. Das störte mich und ich mochte MEINEN Körper, MEINE Brust dann auch nicht hergeben. Es war mir selbst unangenehm und ich kann mir vorstellen, dass dieses Spektakel für jemand beiwohnenden auch unangenehm war.
Zum Glück hat er schon wieder damit aufgehört und ruhigere Phasen eingeläutet (naja, er hat gelernt, dass es dann nichts gab…). Jetzt sagt er „Driinkene, driinkene, Mammaa!“. Viel besser.

Meistens werde ich in meinem Bekanntenkreis für das nachhaltige Stillen meines Sohnes kritisiert – oft bekomme ich (anerkennende..?) Kommentare zu hören wie: „Er ist ja jetzt schon so groß!“, „Er kann auch schon laufen!“ oder es kommen Fragen „wie ich das mit dem Stillen überhaupt aushalte? Und das so lange schon?!?“ ob ich nicht auch mal wieder Alkohol trinken möchte usw. Ich habe dann das Gefühl mich für das Stillen rechtfertigen zu müssen und das will ich gar nicht! Muck und ich werden das schon machen; es geht außer ihn und mir ja auch niemanden so richtig etwas an! Und: Klar würde ich auch mal wieder 2 Gläser Wein trinken; oder verrückte 3! Hintereinander. Ich entdecke gerade meinen Egoismus wieder, mich als Frau! Aber ich denke mir ehrlich auch: Die Kinder sind JETZT klein und brauchen ihre Mama – manche weniger und manche mehr – meine eben mehr (…). Und die Stillzeit ist im Vergleich zur restlichen Lebenszeit soo kurz! Da verzichte ich wirklich gerne noch 2, 3, oder 4 (?) Monate länger auf mein Glas Wein. Das kann ich mir ja die nächsten 40 Jahre noch einverkammesöllen! (Hoffentlich). Prost.

Wo liegt die Grenze?
Ich kann nicht sagen, wo meine eigene Grenze beim Stillen liegt… aber der Muck und ich, wir werden schon herausfinden, wie lange wir das machen wollen! Noch denken wir nicht ans Aufhören und darum stille ich ihn fröhlich weiter, wenn er das denn möchte und ich es denn möchte, bitteschön.

Danke für die Aufmerksamkeit.

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