Einmal Einmal-Virulaken bitte! Unsere Gastroenteritis-Familienpackung

20. November 2016 — 4 Kommentare


Es war ein wenig still um uns geworden die letzte Woche. Also auf dem Blog – zu Hause routierten wir. Um vorweg zu sagen: Es wird unschön, aber ohne Details, keine Angst. Ich musste es aber aufschreiben, weil es meine ganze letzte Woche bestimmt hat…

Wenn man 2 Kinder hat und eins davon an Brechdurchfall erkrankt, dann kann man getrost davon ausgehen, dass das andere Kind kürzlichst danach auch an Brechdurchfall erkrankt. Man kann weiterhin getrost davon ausgehen, dass es nicht lange dauert, bis auch der Mann im Haus, in unserem Fall der wunderbare Herr Lampenhügel (und der ist nie krank!) ebenfalls von dem – ich rate jetzt mal – Norovirus oder Rotavirus – heimgesucht wird. OBWOHL wir uns nach bestem Gewissen und peinlicher Hygiene täglich vielfachst die Pfoten gewaschen UND desinfiziert haben und uns damit wahrscheinlich auch noch den eigenen Säuremantel zerstört haben. Leider haben wir das Vielfachst-Waschen erst praktiziert, nachdem hier der… Scheiß… (Achtung, Doppeldeutigkeit folgt auch noch) ausgebrochen war, huaaargh! Da war’s eben schon zu spät.

Nun ja, durch eine Magen-Darm-Krankheit 3 recht niedergeschlagene Wesen im Hause zu haben, ist irgendwie zu ertragen, wenn es einem selbst ganz gut geht. Ging es mir aber nicht! Ich war just selbst mal krank, aber zum Glück nur ’normal‘ krank. Mit Husten, Kopfschmerzen, Halsweh und dem berühmten Wasserschnupfen; meine Nase tropfte im Dauermodus vor sich hin. Also kein Grund, mich auszuruhen oder besser: Keine Zeit, da es allen anderen viel schlechter ging als mir.

Ich bewundere ja sowieso die Menschen, die Zeit finden, so viele schöne Dinge zu schreiben, zu basteln, diese am besten noch alle termingerecht vor Weihnachten zu verschicken, an wichtige Dinge zu denken usw. – ich mit den 3 blass-Gesichtigen und meinem zerstörten Säuremantel kriege das nicht hin. Und die vergangene Woche sowieso schon mal gar nicht… Nix denken, nix schreiben, nix basteln, nix gar nixnix. Dabei will ich auch einen hübschen Adventskalender basteln, mir Gedanken um die Weihnachtsfeier im Kindergarten machen und so weiter! Meinereins war aber damit beschäftigt, meine kranken Kinder bestmöglichst zu versorgen, vollgespuckte Wäsche zu waschen (dabei selbst clean zu bleiben) und den erkrankten Mann zu entlasten, indem ich ihm die kranken Kinder vom Leib hielt.

Erste durchbrochene Nacht:
Angefangen hatte alles mit dem Schätzlein. Sie klagte erstmals in ihrem Leben über Bauchschmerzen und machte auch freiwillig ein Mittagsschläfchen. ?!? Da waren wir schon hellhörig. Der restliche Tag verlief aber normal und abends gingen auch alle gut ins Bett. Gegen 23h bahnte sich dann doch ein Schlamassel an – ein Schrei vom Schätzlein, ein Spuck – sie hatte das ganze Bett vollgebrochen und saß weinend mittendrin. Ein Wunder, dass sie den schlafenden Muck neben sich nicht mit ihren Ergüssen erreicht hatte. Erst einmal das arme Kind aus dem… oah, fies… aus dem Kotz rausgezogen, den Mund ausgespült, sie gewaschen und umgezogen. In Herrn Lampenhügels Armen fand sie schnell wieder in den Schlaf. Ich bettete den Muck um und wir bezogen das gesamte Familienbett neu: Von Laken hin bis Bettbezüge, Decken, Kissenbezüge, Kissen. Alles voll. Wir schmissen einfach alles in die Badewanne und sorgten erstmal für weitere mögliche Ergüsse des Schätzleins vor. Elternaufteilung: Das sonst unbenutzte Kinderbett im Kinderzimmer klarmachen, Handtücher auslegen, Eimer besorgen, Matratze neben das Kinderbett auf den Boden legen – das Nachtlager für das kranke Schätzlein und mich war fertig.

Der vollgespuckte Wanneninhalt wartete aber noch auf mich… Das Schlimmste: Man kann das Bettzeug SO ja nicht einfach in die Waschmaschine schmeißen! Man muss das Erbrochene… mir ist nichts anderes eingefallen: Mit dicken Plastikhandschuhen runterkratzen in eine Mülltüte. Mein Vorteil: Meine erkältetes Näschen war so verstopft, dass ich nichts riechen konnte; sonst hätte ich mich direkt daneben gestellt und nochmal drübergebrochen.
Als die erste Waschmaschine läuft, ist es 01.30h. Ich lege mich neben das Schätzlein auf die Matratze am Boden und beobachte das arme Ding. Vor Unruhe kann ich nicht schlafen; es wird bestimmt noch mehr gespuckt heute Nacht. Herr Lampenhügel versucht mit dem Kleinen drüben im Familienbett zu schlafen, aber der wird immer wieder wach und jammert; ich höre ihn beim leisesten Pieps (das ist genetisch, nehme ich an). Gegen 4h wird die Kleine unruhig und ich schrecke auf, bringe mich in Eimerposition. Es klappt. Alles im Eimer. Ich kann ihr sogar Nacken und Stirn halten OHNE selbst mitzuspucken (spucken klingt so niedlich…). Ich habe einen Becher Wasser bereitgestellt; von dem sie gerne ein paar Schlückchen nimmt, spült, und sich dann sofort wieder schlafen legt.

Gegen 05:30h möchte der Muck gestillt werden. Ich habe ihn schon gehört und gehe rüber, wir Großen wechseln den Betreuungsplatz. Bis kurz vor 8h schlafen Muck und ich.
Dann: Auuuufstehen! Der Muck grinst über beide Ohren und ist voller Tatendrang.

Der nächste Tag:
Das Schätzlein hat’s hinter sich, vermuten wir. Sie ist noch schwach, aber behält Flüssigkeit und trockenes Brötchen bei sich, zum Glück! Die Kinder leiden zu sehen ist schlimm. Dafür geht’s Herrn Lampenhügel nun schlecht; er hat Bauchschmerzen, kann sich phasenweise kaum bewegen, so schlapp ist er. Ständig muss er aufstoßen und übel ist ihm- untenrum hat er auch schon eindeutige Beschwerden. Er schafft’s aber immer bis zum Klo; er ist ja schon groß. Zu allem Überfluss sind heute beide Kinder zu Hause, da die Betreuung aus diversen Gründen nicht stattfindet.

Den ganzen Tag schleppe ich mich, selbst ermattet ob der Erkältung und der durchwachten Nacht mit dem ermatteten Schätzlein und dem konträr dazu quietschfidelen Muck durch den Tag. Zwei so unterschiedliche Bedürfnisse zu befriedigen gestaltet sich als Herausforderung. Herr Lampenhügel macht mal hier eine Windel (für den Muck!) oder da einen Tee, dann muss er sofort wieder liegen. Und mein Näschen tropft stetig weiter. Das fällt allerdings kaum auf, da ich nachmittags mit den Muckligen draußen im Regen stehe und sie auf den Schaukeln anschubse. Ich muss das tun, sonst springt der energiegeladene Muck hier im Dreieck.

Als abends beide im Bettelein liegen, kann ich das Zimmer verlassen und steuere die Couch an. Da höre ich Herrn Lampenhügel schon nach mir schreien. Als ich das Zimmer betrete, erwischt mich der Fontänenstrahl vom Muck. Liicht an! Er spuckt weiter, Herrn Lampenhügel voll, das ganze Familienbett wieder voll. Ohne jegliche Ankündigung. Und da er sich windet und dreht und gar nicht weiß, wie oder was ihm geschieht, spuckt er in alle Richtungen. Oh je. Gleiches Prozedere wie gestern: Ich den Spuckenden genommen, zur Wanne getragen. Eine Komplettüberholung des Mucks mit Haarwäsche ist hier unerlässlich. So viel Ausgespucktes habe ich noch nie gesehen; es war überall. Das hier war weit schlimmer als gestern, wobei ich gestern nicht schmälern will. Das Schätzlein hat grandioserweise nur einen Spritzer auf ihrem Shirt. Als der Muck entkleidet, gewaschen und geföhnt ist, übergebe ich ihn Herrn Lampenhügel und der wiegt ihn wie gestern das Schätzlein; Herrn Lampenhügels Kräfte erlauben das zum Glück wieder. Ich beziehe das ganze Bett wie gestern. Der Unterschied ist: Wir haben noch nicht alles von gestern waschen können. Heute nächtigen wir also auf bloßen Handtüchern. Hier stellt sich mir eine ganz wichtige Frage: Warum gibt es für solche Zwecke keine Einmal-Laken? Und Einmal-Bettwäsche? Ich würde teuer Geld bezahlen, um den vollgekotzten Wäscheberg einfach abbeziehen und dann sofort in die Tonne kloppen zu können! Dieses Herunterkratzen von Erbrochenem gehört nicht zu meinen Stärken. Aber zum Träumen ist keine Zeit, der Muck braucht nicht lange bis zur nächsten Entladung und legt sofort nach. Ich bin ja Eimer erprobt. Dann stille ich den Kleinen – leider auch falsch, es kommt auch sofort wieder raus.

Die Wannenladung heute war dann auch viel ekelhafter als gestern (solche Einmal-Virus-Laken wären der Hit…!). Aber auf meine Tropfnase ist Verlass – sie hält mir verstopfter Weise die Stange und die Plastikhandschuhe kann man ja mehrmals benutzen.

Die zweite durchbrochene Nacht
mit dem nächsten Kind im spuckbereiten Krankenlager verläuft noch viel unruhiger als die erste. Der Muck braucht den Eimer noch 3 Mal. Als um 7h das Schätzlein in der Tür steht, muss ich unbedingt eine Stunde schlafen, sonst geht nix mehr bei mir. Herr Lampenhügel bereitet Frühstück für sie, Muck und ich schlafen Arm in Arm auf meiner Matratze. Um 9h behält er Tee bei sich, puuuuh! Dafür hat das arme Schätzlein jetzt Durchfall und Herr Lampenhügel muss zurück ins Bett, rülps. Dieses ständige Aufstoßen! Also werde ich den nächsten Tag mit nur ca. 3 Stunden Schlaf bewältigen (müssen). Es geht, irgendwie. Ich huste wie bekloppt und muss mich abends fast übergeben, weil ich soviel huste. Herr Lampenhügel, rülps, steht sogar auf und bringt mir ein Glas Wasser. Aber da fängt der Muck mit Durchfall an und ich schlucke nur schnell eine Kappe Hustensaft und wickle ihn gefühlt 100 Mal. Wir freuen uns schon auf die dritte durchwachte Nacht. Meine Tropfnase ist übrigens Schnee von gestern, jetzt ist es gefühlt mein halbes Gehirn, was ich mir durch die Nase hinauspruste. Also bitte keine Spuckattacken mehr.

Nacht Nummer 3
Im Bettelein passiert heute Abend mal nichts mehr, aber die Nacht wird sehr unruhig, da beide Kinder sehr unruhig zwischen uns schlafen und wir Muckens Windeln wechseln müssen. Wir nehmen an, dass das auch die Nachwehen der letzten Tage sind. Abbi haut um sich und weint dabei, der Muck wacht ständig auf – die dritte Nacht schlaflose Nacht in Folge. Am nächsten Mittag kommen zum Glück das Ömchen und mein Bruder – sie retten uns zwei Großen und kümmern sich hingebungsvoll um die Kleinen. So können wir beide mittags schlafen!

Nacht Nummer 4
Die nächste Nacht ist dann besser, Herr Lampenhügel hat’s nun auch überstanden und kann morgens wieder aufstehen. Der folgende Tag dient der Erholung der ganzen Familie. Alles wieder gut. Das Zeug befällt einen, aber es verschwindet eben auch wieder!

Heute Morgen wache ich allerdings auf und… rülps… oh je…..! Bitteeee! Mir ist schlecht :(. Den ganzen Tag schleiche ich umher, mein Bauch schmerzt und ich bin wie k.o. Drückt mir die Daumen, dass es dabei bleibt.

Hier ein paar Fakten zu dem unlieblichen Magen-Darm-Geplänkel (Gastroenteritis):
Kinder erkranken häufiger an der Krankheit, da ihr Immunsystem schwächer ist als das von Erwachsenen
Der Brechdurchfall kann leicht oder schlimmer verlaufen, hört aber meistens nach wenigen Tagen von alleine auf. Säuglinge unter 6 Monate sollten zum Arzt. Ein Arztbesuch ist bei lang anhaltendem Fieber, tagelangen Erbrechen oder Durchfall auch notwendig!
Die Inkubationszeit beträgt 6-50 Stunden.
Erreger sind meist Viren (Noro- oder Rotaviren), seltener Bakterien. Die Viren gelangen über den Mund in den Körper. Eine Ansteckung erfolgt über den Kontakt mit Erbrochenem oder Kot oder auch über kontaminierte Flächen!
Die Viren können bis zu 3 Minuten außerhalb des Körpers überleben, manchmal auch trotz Desinfektionsmittel, daher Obacht!
Abhängig vom Erreger ist man während und bis 48 Std. nach den letzten Symptomen wie Erbrechen oder Durchfall hochgradig ansteckend! -> Hygiene der Hände und Sanitäranlagen nötig!
Die Viren können bis zu 14 Tage (!) nach der Krankheit noch im Stuhl ausgeschieden werden!
Erkrankte Personen sollten frühestens 2 Tage nach den Symptomen wieder arbeiten/in die Schule oder Kindergarten gehen!
Das gute daran: Der Körper trainiert mit jeder Erkrankung: Sie wird also mit jedem Mal weniger schlimm..

Vorbeugung:
Peinlich genaue Hygiene und Desinfektion
Wäsche bei 60 Grad waschen
Man kann sich gegen Rotaviren impfen lassen

Behandlung:
Das Kind sollte 6 Std. nichts essen, um Magen und Darm zu entlasten. Während dieser Zeit löffelchenweise Tee oder Wasser mit einer Prise Zucker und Salz reichen; oder Brühe, für den Salzhaushalt. Auch ein Cracker tut es. Dann mit leichter Kost beginnen, immer nur häppchen- oder schlückchenweise. Man kann auch Elektrolytelösungen kaufen (die Hausmittelchen tun es aber auch).
Der Flüssigkeits- und Salzverlust (Elektrolyte) durch Erbrechen/Durchfall muss wieder aufgefüllt werden. Hierzu kann man z.B Kartoffelpüree reichen und es mit Salz versehen oder auch einen Mixtrank pantschen: Den habe ich immer getrunken: 1/3 O-Saft, 1/3 Tee, 1/3 Wasser und eine gute Prise Salz.
Gestillte Kinder bitte weiterstillen und sogar häufiger anlegen (klappte bei uns nicht..)
Der Arzt von Herrn Lampenhügel empfahl außerdem, und das war mir neu: Apfelsaft verdünnt mit Wasser zu trinken oder auch geriebenen Apfel zu essen.

Quelle: Robert-Koch-Institut (die Hausmittelchen-Weisheiten sind von uns!)
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4 Antworten zu Einmal Einmal-Virulaken bitte! Unsere Gastroenteritis-Familienpackung

  1. 
    beatriceconfuss 21. November 2016 um 9:26

    Mann, Mann, Mann, da habt ihr ja was hinter euch. Horror. Das braucht doch kein Mensch. Da war es hier ja harmlos. Da lag nur der Mann die ganze Woche mit Schuppen, hohem Fieber und Magen Darm danieder. Ich schwächelte mit der Tropfnase, Halsweh und latenter Übelkeit und einen Tag Bauchweh, die Kinder sind auch mega erkältet. Aber toitoitoi…vor größere Katasrophen wie eure sind verschont geblieben.

    Dann kann es ja jetzt wieder Bergauf gehen.:-)
    Weiter Gute Besserung!

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    • 

      Horror ist der richtige Ausdruck, aber es IST überstanden. Wir päppeln uns gerade wieder auf. Euer armer Mann, Schuppen sind ja widerlich! 😉 Die Begleiterscheinungen sind hoffentlich wieder im Griff und Du auch wieder auf dem Damm…? Ich wünsche es Euch sehr!

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  2. 

    Ach je, mir ist beim Lesen auch gleich ganz flau geworden. Ich wünsche euch maximale Erholung und gute Besserung. Ganz liebe Grüße zu euch

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