Der Melodica-Zahnschmuck-Muck. Gibt es eigentlich ein Abo für die Notaufnahme?

3. Januar 2017 — 2 Kommentare


Das nächste Mal verkneife ich mir so einen Kommentar von wegen ‚Das fing jahr gut an!‘, oder besser beiße ich mir auf die Zunge, bevor ich so etwas sage. Oder noch anschaulicher: Ich ramme mir eine 45 Jahre alte Melodica in den Mund, sodass dabei ein Plastikteilchen vom Mundstück absplittert, das ab sofort zwischen meinen oberen Schneidezähnen im Zahnfleisch steckt. Als krönende Garantie für die Notaufnahme reiße ich mir dabei auch noch den Mundwinkel auf. Schlapp-labber. Das blutet wieder wie blöd und muss natürlich genäht werden.
…So geschehen heute Abend bei….wer weiß es…? Na klar, bei unserem Kamikaze-Joe, dem Muck! Das Schätzlein war gerade mein Reiter und ich ihr Tiger und der Muck kam düdelnd mit der Melodica dazu. Das Ganze dauerte ca. 15 Sekunden, ich ahnte Böses, bat das Schätzlein daher zum Abstieg und drehte kurz den Kopf zu ihr um. Diesen Moment des toten Winkels nutzte das melodische Bürschlein und taperte hinter uns. Schon war es zu spät. Zu spät zum Aufpassen, zu spät, damit ihm nichts passiert. Er hat das Drama einfach gebucht. Das Schätzlein stieg von mir ab, gruschtelte sich so von mir hinunter und erwischte dabei den Muck – oder erst die Melodica? Zumindest strauchelten alle 3, das Schätzlein, der Muck und die Melodica, und das Malheur war groß. Wieder Blut überall, wieder der Muck.

Diese Mal hatten wir aber Glück im Unglück – Herr Lampenhügel war gerade schon nach Hause gekommen und so blieb mir ein weiteres Käfer-Szenario erspart. (Ich bin ein Blut-Schisser; ich kann kein Blut sehen, vor allem nicht in rauen Mengen. Um nicht umzukippen, muss ich mich sofort auf den Rücken legen und de Beene hoch. Sonst werde ich höchstwahrscheinlich ohnmächtig. Wie ein hilfloser Käfer liege ich dann da vor mich hin, jappse nach Luft und kann nicht viel tun außer mich anzustrengen, mich nicht auch noch zu übergeben). Die perfekte Ersthelferin! Aber wie gesagt: Heute war unser Glückstag, heiiiij!

Geistesgegenwärtig zog ich dem Muck sogleich den unliebsamen Zahnschmuck aus der Vorderfront und ohne lange zu überlegen ging’s los in die Notaufnahme. Der Mundlappen war zu groß für unsere Verhältnisse. Bitte verhaftet mich – der Zerrissene durfte auf meinem Schoß in die Uniklinik düsen – und nicht auf dem Kindersitz.

In der Kindernotfallpraxis: Klingegling – wir sind’s! Jemand da? Naaaiiin…??  Nein! Niemand da! Die Notaufnahme ist noch nicht besetzt – um 18:55 Uhr. Also rüber ins benachbarte Kinderkrankenhaus, zur Anmeldung. Gähnende Leere hier, im Wartezimmer 2 kleine Patienten. Im Annahmezimmer wurstelte eine Krankenschwester umher. Sie nahm keinerlei Notiz von uns, also standen wir stumm da und warteten. Minuten vergingen,  tropf, wein, schrei… Wir wollten nicht drängeln und es gibt sicher notfälligere Notfälle als uns, aber diese demonstrative Ignoranz entzog sich unserem Verständnis. Sie würdigte uns trotzdem keines Blickes und war förmlich eingetaucht in ihr intensives, dennoch ruhiges Suchen nach… einem Formular. Als sie das Formular gefunden hatte, verließ sie das Zimmer, ging ohne einen Blick durch uns viere durch und rief uns hinterher: „Sie sind noch nicht dran!“ Ah ja. Herr Lampenhügel brachte daraufhin ein leicht genervtes „Na guten Abend erstmal“ heraus. Dann orientierte er sich flugs neu und fragte unerlaubt, ts! eine vorbeihuschende Ärztin nach Rat. (So etwas ähnliches hatten Muck und ich hier schon mal erlebt… damals brauchten wir ‚bloß‘ einen Gips! Zu lesen hier). Die nette Ärztin kam sofort zum Muck, sah und sagte: „Da sind sie hier leider falsch..“ sie fuhr fort – und ich wollte mir die Oooohren zuhalten “ Da müssen Sie in … die….?… jaaaaa!… Zentrale Notaufnahme gehen!“ Ja zum Donnerdrummel – ich war schon 3x mit meinem Kind in der Kindernotfallpraxis und wurde da noch nie behandelt! Egal. Der kurze Ausflug an der frischen Luft tut auch einer klaffenden Wunde gut. Im Entenmarsch also zur zentralen Notaufnahme.

Da wurden wir SO nett aufgenommen, dass wir gar nicht damit umzugehen wussten! Die Kinder bekamen jeweils ein kleines Kuscheltier geschenkt….?!? Was war der Unterschied gewesen?
Wir folgten wie befohlen den grünen Pfeilen auf dem Boden bis zum Schild „Plastische Gesichtschirurgie und Zahnärztlicher Notdienst“ und da angekommen wurden wir von 2 Feen empfangen. Andere Wartende wollten offensichtlich nicht hierher, wir wurden sofort von den beiden Elfengleichen ins Behandlungszimmer gelotst. Sie waren schon von der Zentrale darüber informiert worden, dass ein Kleinkind mit Mundlappen kommen würde. Der Muck hatte sich längst beruhigt und staunte über all die Gerätschaften hier. Beide Feen stellten dann fest, was wir im Geiste schon vermutet hatten: Mit einem Stich nähen. Sonst wäre das Risiko zu hoch, dass die beiden Lippen nicht synchron wieder zusammen wachsen undimg_5988-20170102 es eine auffällige Narbe gäbe. Schluck, unsere erste Naht! Herr Lampenhügel verschwand mit dem Schätzlein, da sie das erwartete Schreien vom Muck nicht mitanhören sollte. Der Muck und ich nahmen indessen Platz; er auf meinem Schoß. So eine Nadel bleibt eine Nadel, auch wenn eine Fee sie hält. Er wurde erstmal mit einem Betäubungsmittel betupft. Das war ok. Ich überlegte kurz, ob es besser sei, dass nicht ich ihn festhalten würde sondern jemand anderes? Wegen Vertrauensbruch…? Aber ich verwarf den Gedanken sofort wieder; bei mir fühlt er sich am sichersten. Also los: Ich sollte sicherheitshalber seine Arme festhalten… die andere Ärztin hielt seinen Kopf. Und dann pieks, Stich, er schrie herzergreifend…, ..“Mama?!“…das tut uns Eltern ja am meisten weh… Aber: Schon fertig. Es war vorbei; ein Stich. Ich stand sofort mit ihm vom Behandlungsstuhl auf, damit ihm klar war, dass es vorbei ist. Er war schnell wieder ruhig und vergrub sich in meinen Arm. Dann lächelte er die Feen sogar an. Puh… hartes Brot. Er erträgt das immer wieder so tapfer, der kleine Held.

Wir konnten gehen. Jetzt wollte ICH am liebsten weinen. Mit einem Mal fiel der Druck und die Anspannung von mir ab. Aber wir hielten uns alle wacker und fuhren heim. Bitte verhaftet mich erneut – er wieder auf meinem Schoß. Zuhause angekommen schauten wir uns die Wunde nochmal an und… Er wäre nicht der Muck, wenn der Knoten vom Faden nicht bereits aufgegangen wäre und die Naht somit NICHT mehr existiert!

Ja dann…: Frohes, neues Jahr! Ich rufe mal grad in der Plastischen Gesichtschirurgie an, ob wir morgen nochmal kommen müssen; bevor jetzt die Unterlippe mit dem Kinn zusammenwächst.

PS: Ach guck mal, das mit dem öfter Schreiben klappt ja ganz gut! Der nächste Beitrag wird bestimmt ganz nett; bestimmt!

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2 Antworten zu Der Melodica-Zahnschmuck-Muck. Gibt es eigentlich ein Abo für die Notaufnahme?

  1. 

    Liebe Katja,

    oh mein Gott, der Notarzt ist uns bisher erspart geblieben.. so ein Fieberkrampf ist sicher erschreckend. Ja, das Kranksein der Kinder ist schlimm; aber Du bist ja auch wieder aufgestanden 🙂 Ich wünsche Dir und Deiner Familie auch eine gesunde Zeit und alles Gute!

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  2. 

    Meine liebe Frau Lampenhügel,
    du hast es gut gemeistert! Der Dezember war nicht unser Monat. Der Kleine mit Angina, dann noch eine Virusinfektion bis hin zum Fieberkrampf. Letzteres ergab die Gelegenheit, zum zweiten Mal in meinem Leben Bekanntschaft mit Notarzt und Rettungssanitäter zu machen. Mich haut es immer von den Füßen, wenn die Kinder krank sind. Ich wünsche euch gute Besserung, vor allem dem kleinen Muck. Ein gutes und gesundes neues Jahr für dich und deine Lieben!
    Viele Grüße
    Katja

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