Die Vereinbarkeit von Arbeit und Muttersein mit 2 Kleinkindern

5. März 2017 — 3 Kommentare


img_6536Mein Wiedereinstieg als 2-fach Kleinkindmutter in das Berufsleben: Die Umstellung ist so wie ich es mir gedacht hatte und ich bin k.o., aber es hat auch Vorteile…

Es war soweit gekommen: Die liebe Arbeit rief! Nach knapp 4 Jahren Babypause ging es vor wenigen Wochen wieder für mich los. Diesen Zeitpunkt hatte ich bewusst lange herausgezögert, da es in meiner Vorstellung schwer zu vereinbaren war zu arbeiten und dann ohne Pause die ganzen restlichen Leben, die da noch an mir dran hängen, zu managen. Es hatte mich also nicht sonderlich zur Arbeit hingedrängt. Außerdem denke ich, dass es meine Kinder bei mir am besten haben und daher wollte ich sie so spät als möglich in eine Fremdbetreuung geben. Und – oh Wunder – meine Vermutungen über die Komposition von Arbeit und Leben haben sich bestätigt; es IST schwierig alles zu managen (aber machbar)! Managen ist hier übrigens das richtige Wort: Ich muss die Tage plötzlich komplett im Vorhinein planen und vorbereiten, damit alles funktioniert. Es gibt fast keinen Puffer mehr für irgendetwas; alles muss laufen. Darum bin ich im Nachhinein froh, mich damals gegen den frühen Wiedereinstieg in die Arbeitswelt entschieden zu haben; mein Gefühl war (für mich) also richtig.

Inzwischen habe ich einen guten Monat in Teilzeit gearbeitet; 5 Tage die Woche, von morgens bis mittags. Da ich nicht in meinen alten Job zurückkehren konnte, habe ich mir etwas neues gesucht. Das war schwieriger, als gedacht: Komischer Weise rannten mir die Leute, bei denen ich mich beworben hatte, nicht mehr die Bude ein. Ob das mit meinen 2 Kindern zusammenhängt? Naahain, oder…?? Mein Bewerbungsfoto ist immer noch das alte – daran kann’s also nicht liegen… Naja. Ich bin froh, diesen Job bekommen zu haben, bevor es zu eng geworden wäre. Er ist echt in Ordnung; verlangt mir nicht allzu viel ab, ist aber trotzdem anstrengend. Mir war wichtig, den Job nicht mit nach Hause zu nehmen, so, wie ich es jahrelang  zuvor getan hatte. Der Nachmittag gehört jetzt meinen Kindern und die Zeit ist jetzt noch kostbarer geworden. Meine Arbeitszeiten sind auch gut, nur: Von Null auf 5 Tage die Woche zu arbeiten und das sehr frühe Aufstehen dazu; das macht mir zu schaffen. Ich, die ich seit vielen Jahren verhinderte Langschläferin bin…

Arbeit und Muttersein sind für mich also ein Spagat! Hut ab vor allen Müttern, die morgens schon alles IM Zeitplan wuppen, bzw. vorausschauend schon am Abend vorher alles für den nächsten Tag zusammenprasseln! Mütter, die schon vorgekocht, Brote geschmiert (und noch ein Äpfelchen dazu geschnitten), alles hübsch verpackt haben… die Liste ist ja unendlich erweiterbar! Hut ab vor den Müttern (und Vätern), die morgens allemann wecken, erst mal sich selbst, dann die Kinder, dann alle zum frühstücken und in die Klamotte kriegen, um danach alle pünktlich bei ihren Tages- oder Kindergartenstätten abzugeben. Nur, um danach auch noch pünktlich sich selbst bei ihrer eigenen Arbeit abzuliefern; puhu. Diese Mütter, die im Arbeitsgeschehen voll da sind, einsatzbereit und mit mindestens so großem Tatendrang – WIE MACHEN DIE DAS?! Wie geht das, so zu tun, als hätte es die letzten 4 Jahre durchwachter Nächte nicht gegeben? BEI MIR SIND DIE NÄCHTE IMMER NOCH SO! Jeeede Nacht! Ob ich nun arbeite oder nicht, ist dem Muck doch egal! (Darüber bin ich Euch noch einen Beitrag schuldig; er treibt weiter sein nächtliches Unwesen..). Manchmal bin ich also ziemlich benebelt. Auf dem Spielplatz fällt das nicht so auf wie hier am Arbeitsplatz…hm. ICH scheitere also oft schon viel zu früh; nämlich morgens in aller Herrgottsfrühe! Dann schnauze ich übel-launig das Schätzlein an, die wie immer „nicht in den Kinnnagarten will“, oder bugsiere den Muck etwas unsanft aus der Wohnung, weil der viel lieber zum 3.Mal in Folge sein Lieblingsbuch lesen will. Für mich als ungeübte, arbeitende Mutter stellt schon das morgendliche aus dem Haus kommen eine Herausforderung dar. Und obwohl ich tolle Unterstützung von Herrn Lampenhügel bekomme, der die Muckligen z.B. mit mir fertig macht und sie inzwischen auch morgens wegbringt, bin ich abends, sobald beide Kinderlein die Augen zumachen, zu nichts mehr zu gebrauchen. Bis genau dahin bin ich pausenlos im Dauereinsatz! Dann folgt eine kurze abendliche Verschnaufs-Essenspause, bevor der Muck das 1.Mal wieder erwacht und dann dreht sich das Rädchen fröhlich weiter: Der Antrag für den Turnverein muss ausgefüllt werden, morgen hat Opa Geburtstag – die Karte schreibt sich auch nicht von selbst und die Geschenke müssen noch eingepackt werden -es gibt immer was zu tun und wenn nicht, wartet als nächstes schon die Steuererklärung auf mich…! Und Herr Lampenhügel ist ja auch noch da – mit dem würde ich auch gerne mal 2 Sätze wechseln; so von Hamster zu Hamster. Also es ist schon ein ganz schön flottes Rädchen, finde ich.

Morgens klingelt der Wecker eine Stunde eher als bisher; gemein! Wir verlassen dann gemeinsam das Haus; sonst gibt’s Gekreische und die Muckligen wollen zu Hause bleiben. Frühstücken tue ich im Auto: Für die knapp 7km Arbeitsweg habe ich -hoffnungslos im Stau stehend- schließlich meistens ganze 50 Minuten Zeit. Die Brote habe ich ja schon gestern Nacht geschmiert, ha(!) und etwas Mascara kann ich an der nächsten roten Ampel auch noch auf die Wimpern klätschen; die Stauzeit wird konstruktiv genutzt. Manchmal erledige ich auch nervige Telefonate, zu denen ich nachmittags mit den Kindern nicht komme. Solche Sachen, wo man gerne mal 10 Minunten lang in der Warteschleife hängt und immer irgendwelche Ziffern drücken muss, um auch wirklich ‚mit dem richtigen Kundenberater‘ verbunden zu werden. Aber auch das heißt: Organisation, Organisation. Hab ich den doofen Wisch nicht dabei, kann ich da nicht anrufen. Dann lande ich irgendwann (meistens noch) pünktlich bei der Arbeit und bin dort bis mittags, um mich sofort danach zurück ins Auto zu schwingen. Mittagspause im Auto –  das Thunfisch-Ei-Brötchen vom Bäcker schmeckt ziemlich gut… Ich habe jetzt ziemlich genau 25 Minuten Freizeit. Schnell noch was einkaufen! Zu Hause noch den Nachmittagssnack vorbereiten; Freizeit vorbei. (Schön war’s!). Losfahren, um den Muck bei unserer, der allerbesten Tagesmutter abzuholen. WAS freue ich mich auf ihn! Mein Sonnenschätzlein! Mit ihm im Gepäck weiter zum Kindergarten, wo Abbi schon auf uns wartet; WAS freue ich mich auf sie; mein Grantelgänschen! Dann machen wir Unternehmungen, meistens zu dritt. Inzwischen ziehe ich es vor, direkt vom Kindergarten aus zu unseren Ausflügen zu starten, weil ich die Kinder sonst nur schwerlichst wieder aus dem Haus kriege. Außerdem sind wir dann abends früher wieder zu hause (und sie sind trotzdem schon müde!).
Gegen 18h sind wir also wieder daheim und dann koche ich das Abendessen. Die Muckligen mögen leider kein Brot, daher fällt ein reguläres ‚Abendbrot‘ aus; sehr zu meinem Leidwesen. Ich koche also mit 1.000 Unterbrechungen, weil die 2 jetzt müde sind und sich ständig kloppen (oder ich parke sie vor der Glotze; passiert auch, bevor ich ‚liebevoll brülle‘..). Wenn ich am Abend vorher total gut drauf war, hatte ich vorgekocht und dann gibt es das Aufgewärmte von gestern – das macht alles viel einfacher. Dann können wir nach dem dem Essen noch auf dem Sofa sitzen und Bücher lesen, das ist schön. Mit dem letzten Löffel Appelmous oder Jojuk (Joghurt) kehrt endlich auch Herr Lampenhügel von der Arbeit heim und dann geht’s in die Abendritual-Runde:
Schlafanzug an, Zähne putzen, 1 Folge der gerade begehrten Serie gucken, im Bett 2 Bücher lesen, Trinken aus der Flasche (Abbi) oder der Brust (der Muck), Licht aus, 20:30h. Dann geht bei mir auch schon mal gerne das Licht aus; aber ich wache dann kurze Zeit später automatisch wieder auf und stehe auf.

Also. Niemand hat gesagt, es würde einfach werden! Aber ich muss sagen, dass die Arbeit auch positive Seiten hat: Man kennt mich dort beim Namen! Also meinen Namen – nicht ‚…. Du bist doch die Mutter von…..!‘. Und es ist tatsächlich auch so, dass ich es genieße, wieder ich zu sein, meinen Kopf mehr oder weniger anzustrengen; ohne, dass mir jemand am Pulli zieht. Ich hatte sogar schon ein kleines Erfolgserlebnis, was mich natürlich motiviert, dennoch bin ich ganz realistisch: Karriere macht man woanders. Aber das war ja gar nicht meine Intention: Ich wollte wieder einsteigen, es langsam angehen lassen und gucken wie’s läuft- und das tut es. Ich sehe auch mal wieder etwas anderes als Spielplätze oder Wälder, wenn ich das Haus verlasse. Trotzdem: Der Rattenschwanz, den die liebe Arbeit mit sich bringt, ist ne ganz schön große Umstellung und bis alles eingespielt ist, vergehen bestimmt noch ein paar Wochen.

Im Sommer wird sich alles schon wieder verändern; dann geht der Muck voraussichtlich in den Kindergarten zu seiner großen Schwester und DANN, dann habe ich wirklich eine kleine Mittagspause. Hey, dann schaffe ich bestimmt 2 Waschmaschinen!

Wie läuft das bei Euch? Wie steht Ihr dem Wiedereinstieg in die Arbeit gegenüber? Könnt Ihr es kaum erwarten? Könnt und wollt Ihr zurückgehen in Euren alten Job?  In Teil- oder Vollzeit? Und was sind Eure Beweggründe dafür oder dagegen? Wie meistert Ihr den Alltag?

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3 Antworten zu Die Vereinbarkeit von Arbeit und Muttersein mit 2 Kleinkindern

  1. 

    Herrlich!!!
    Bei mir war es zwar etwas anders, nur ein Kind und hab nach 11 Monaten wieder angefangen, Vollzeit. Ich hatte 2mal 25min Zugfahrt für Telefonate, Einkaufsliste und für mich 😂
    Kein Zug darf Verspätung haben, kein Termin länger dauern, Puffer gibt’s nicht!
    Jetzt such ich auch was neues, mein Bewerbungsfoto ist auch das alte und die Bude rennen sie mir auch nicht ein… aber ganz ehrlich: Anforderumgem: Organisation, Projektmanagement, flexibel, belastbar
    Passt doch auf jede Mutter die arbeitet, ‚Brote schmiert‘, ein Abendessen zaubert, und in ihrer nicht vorhandenen Freizeit womöglich auch noch bloggt, zum Sport geht und mit Freunden Kontakt hält, die keine Mama sind und man sich über Weltpolitik, die letzte Party (schenkelklopfer) und ähnliches unterhält.
    Ein toller Artikel!
    Vg Julia von travelingkinder

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    • 

      Liebe Julia,

      danke für Dein Lob; man muss sich den Humor auch in stressigen Phasen erhalten..! Seit gestern bin ich tatsächlich krank- es war doch etwas zuviel des Guten. Ich kann mich aber etwas erholen, denn das Ömchen ist da und nimmt mir eins der beiden Kinder ab!

      Dein Blog ist sehr interessant und ich habe sogar schon einige Ausflugsziele wiedererkannt 🙂 Das mit dem Kontakthalten in die Nicht-Kinderwelt ist auch so ein Ding.. Schenkelklopfer hätte ich da einige anzubieten. Ich wünsche Dir viel Glück bei der Berufswahl (haha…!) und freue mich auf weitere Inspirationen!

      Viele Grüße zurück!

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Trackbacks und Pingbacks:

  1. Mein Kind geht in die Fremdbetreuung – Gedanken einer Mutter (1) - Mai 28, 2017

    […] alltime-Kindertime gehe ich wieder zur Arbeit. Über dieses wundersame Zusammenspiel hatte ich hier schon einmal geschrieben. Ich bin dann wieder eine gewisse Zeit für mich allein (also mit den […]

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