Reif für die Insel – Willkommen im Club!

10. Dezember 2016 — Hinterlasse einen Kommentar


Da bin ich wieder! Nach einer ca. 4-wöchigen Pingpong-Krankheits-Familienepoche flogen wir letzte Woche in unseren nachgeholten Sommerurlaub! Auch unter kanarischen Palmenwedeln, bei angenehmen 25 Grad und dem berühmten lauen Lüftchen blieben Erkenntnisse über das Sein, das Zusammensein in verschiedensten Konstellationen und auch Erkenntnisse über das mit sich Alleinsein nicht aus!

Wer meinen vorletzten Artikel Einmal-Virulaken gelesen hat, der weiß, dass das der Beginn unserer Krankheitsperiode war und dass wir uns viele Dinge noch einmal durch den Kopf gehen ließen. Nach dem Brrrrr…echdurchfall war immer mindestens einer von uns Vieren krank; das hatten wir in dem Ausmaß noch nicht erlebt. Erst suchte beide Kinder ein grippaler Infekt heim, danach ereilte das Schätzlein eine Bindehautentzündung im linkem Auge, dann im rechten Auge, der Muck hustete unentwegt weiter… Wir waren urlaubsreif! Nach jeder überstandenen Erkrankung hatten wir uns immer gut zugeredet: Na, was wir jetzt schon durch haben, das haben wir durch und bekommen es nicht mehr im Urlaub. Ha! Pustekuchen!

Der lange ersehnte Urlaub war so nah; wir mussten nur noch die Koffer ins Auto hieven und zum Flughafen fahren. Just da klagte das eben erst genesene Schätzlein über… Ohrenschmerzen! …WTF! Es gibt ja beim Fliegen nichts schlimmeres als Ohrenschmerzen zu haben! Mann! Was tun? Wir konnten nicht mehr zum Arzt gehen, wir mussten losfahren. Auf der Fahrt zum Flughafen lenkten wir Abbi so gut es ging ab; sie wimmerte und wir waren ziemlich unglücklich darüber, dass sie voraussichtlich Schmerzen haben würde, die wir ihr nicht sofort nehmen konnten. Bevor wir unser Gepäck aufgaben, gruschtelten wir hastig unsere Koffer durch und fanden Nasentropfen und dieses Fiebersaft-Schmerzmittel. Beides verabreichten wir ihr als Erstversorgung; vielleicht hatten wir Glück und es war ‚bloß‘ der dicke Schnupfen, der ihr schmerzendes Ohr verstopfte! Zur Sicherheit besorgten wir in der Flughafen Apotheke noch ein paar homöopathische Ohrentröpflein und bestiegen dann den Flieger. Kaubärchen und zu Trinken hatten wir als Druckausgleich auch griffbereit. Es klappte; sie war jetzt entspannter und schmerzfrei. Stundenlanges Powerkuscheln und Aufeinander-schlafen-hocken war zudem die beste Medizin und im Flieger auch ganz einfach durchführbar. Nur der Landeanflug bereitete ihr Schmerzen, war aber schnell überstanden.

Wir waren also in unserem Sommer-Sonne-Insel-Urlaub angekommen. Während es in Deutschland schon knackig kalt geworden war, herrschten hier angenehme 22-26 Grad und wir konnten im T-Shirt herumlaufen, sogar im Meer baden. Das ist allerdings nichts für Frösteltütchen wie mich; der landestypische Wind ist doch recht schattig; trotz 25 Grad. dsc_0040Wir waren aber froh, den ersten, richtig kalten Tagen in Deutschland entflohen zu sein. Zugegeben mag ich den Winter von allen Jahreszeiten am wenigsten. Ich mag ihn eigentlich nur, wenn es frisch geschneit hat und unter einer lautlosen Schneedecke alles so friedlich und sanft wirkt. Den Matsch, zu dem alles sofort aufweicht, sobald es 1 Grad über Null ist, das ewig frühe Dunkel und die Kälte, das alles kann mir getrost den bibbernden Buckel herunterrutschen. Ich bin mehr der Frühlingstyp; ich mag es, wenn alles wieder anfängt zu leben, Triebe zu schmeißen, herumzubalzen und grün zu werden; wenn kahle Äste wieder in Blätter- und Blütenpracht erblühen. Aber dazu ein ander Mal mehr.

Winter adé, Willkommen im Club
Die hiesige Kälte musste ich mir aber ja nur vorstellen und nicht am eigenen Leib spüren; hach, welch Privileg! Mit Vorurteilen belastet haben wir uns zu diesem -festhalten- Cluburlaub regelrecht überwunden; ich habe mir ’solche Urlauber‘ immer spießig, bieder und irgendwie nicht auf unserer Wellenlinie schwimmend vorgestellt. Ich übertreib’s mal: Ich sah uns inmitten von schwitzenden, griesgrämigen und dickbäuchigen Badelatschenträgern, die morgens schon mit Handtüchern Liegen reservieren und an allem nur herummäkeln… Kein besonders attraktives Bild. Ein befreundetes Paar mit gleicher Kindersituation hat uns diese Art Urlaub aber wärmstens empfohlen und darauf hatten wir uns nun eingelassen. Da saßen wir. Das erste Mal in meinem Leben ‚All inclusive‘, in einer ausgesprochen familienfreundlichen Anlage.

ES WAR SUPER! Blöde Vorurteile! Das hätten wir schon früher machen sollen! Eine ganze Woche lang keine Sorgen um nix machen, außer natürlich die Kinderlein zu hegen. Schätzleins Ohr ging es direkt wieder gut und von da an genossen wir es dort zu sein. Aus der Clubanlage brauchte man sich gar nicht hinausbewegen; man WOLLTE sich nicht hinausbewegen, weil man alles da hatte. Da wir vorher schon mehrfach auf der Insel gewesen waren und sie durch Erkundungsfahrten mit dem Auto kannten, verzichteten wir dieses Mal auf Ausgänge. Das auf Familien ausgerichtete Angebot reichte von fantastischem Essen (auch mit extra Kinderessen) hin über vielseitige Spielmöglichkeiten für Groß und Klein, ein umfangreiches Sportangebot und, wenn man wollte, auch Kinderbetreuung, die von qualifizierten Personen übernommen wurde. Wenn man Unterhaltung wünschte, konnte man die Familien- oder Mitternachtssauna besuchen, alle paar Abende wurden auf unaufdringliche Art und Weise Veranstaltungen oder Darbietungen geboten. Wir haben mal hier und da teilgenommen oder beobachtet; chapeau.

Was mache ich mit mir?
Ich muss nochmal erwähnen, dass wir bisher keine Club-Urlauber waren. Bevor wir die Kinder hatten, waren wir entweder mit dem Rucksack durch Thailand unterwegs oder sind mit dem Auto durch die Bretagne gefahren, um mobil zu sein und Land und Leute, in kleinen, privaten Unterkünften, kennen lernen zu können. Das machen wir auch weiterhin (jetzt halt in Holland ;-)), aber dieser Urlaub hier, das war pure Erholung und für unsere Situation top. Alleine, dass wir uns nicht um das Zubereiten und Aufräumen von Essen kümmern mussten, das war Urlaub! Diese Freiheit, nicht überlegen zu müssen, was man kocht, dann einzukaufen, das Essen danach zubereiten – und das Tohuwabohu wieder sauber zu machen – das spart so viel Zeit! Diese Zeit konnten wir hier gemeinsam mit unseren Kindern verbringen; qualitative Zeit! Herr Lampenhügel und ich teilten uns regelmäßig auf. Meistens verbrachten wir die Zeit zusammen, aber täglich gab es Zeit für die Erwachsenen: Jeder von uns beiden war dann mit nur einem Kind oder auch alleine mit beiden Kindern unterwegs. So hatte jeder von uns 1-2 Std. am Tag FÜR SICH. Abbi wollte auf eigenen Wunsch vormittags 2 Stunden in die Kinderbetreuung gehen; es gab viele Gleichaltrige dort. Wir waren fast pikiert darüber, waren wir doch im Familienurlaub (!); aber sie war unerwartet Feuer und Flamme und hatte direkt eine Freundin gefunden, was natürlich toll war! Man konnte dort auch einen Babysitter buchen (ebenfalls qualifiziertes Personal und darunter unerwartet einige männliche Betreuer), dem wir den Muck 3 Mal für eine Stunde anvertraut haben. So hatten wir Eltern die Möglichkeit, einmal wieder Herr und Frau Lampenhügel zu sein, nicht Mama und Papa; eine ganz neue Erfahrung. Mir fiel es fast schwer, mich nur um mich zu kümmern. Ich musste wirklich lernen, diese wenige, qualitative Zeit auch wirklich qualitativ nur für mich zu nutzen.Ich wollte schon die Strandtasche für nachmittags packen oder die Lätzchen waschen, usw. Aber Herr Lampenhügel ermahnte mich fingerfuchtelnd und zischte: Kümmer Dich! Um DICH! Und so schlurfte ich reinen Gewissens zum Sport und war halb froh, fühlte mich aber ohne meine Kinder halb nackt! In der nächsten Kinderlosstunde gingen wir vormittags voller Freude an die Bar, wo wir einfach da saßen, miteinander sprachen, also Sätze UND Gedanken zu Ende führten, Kaffee schlürften und es genossen, nichts weiter zu tun als das. So sehr ich die Kinder liebe, ich liebte es auch, einfach versunken da zu sitzen und das unendlich scheinende Meer zu bestaunen. Wundervoll.

Die sind genau so!!!
Wir haben sogar ein sehr nettes Paar mit ebenfalls 2 Kindern kennen gelernt. Die trugen auch keine Adiletten! Abbi hatte sich bei einem Unplugged-Gig direkt vor die Musiker gestellt, mitgetanzt und ein anderes Mädchen angelacht. Im nächsten Augenblick standen die beiden Hand in Hand da und tanzten zusammen. Abbi hat seitdem eine neue Freundin – wie einfach das geht; eine Freundschaft einzugehen. Schön! Da die beiden Mädchen an diesem jungen Abend nur noch zusammen und Hand in Hand gingen, ließ es sich kaum vermeiden, dass wir Eltern uns auch kennen lernten. Das ging auch einfach – wobei ein Unterhalten mit 4 Kindern ja meist nur aus kurzen Hauptsätzen besteht, wenn überhaupt. Wir fanden aber die eine oder andere Gelegenheit, miteinander zu sprechen. Das Essen an sich ist mit aufgeregten, überdrehten Kindern immer anstrengend, aber irgendwie auch entlastend, denn, egal wo man hinguckte: Überall saß immer mindestens ein Kind mit am Tisch, das genau wie unsere Kinder müde, aufgedreht und drüber war. Dieses andere Kind schubberte sicherlich gerade seine Papierserviette mit der Gabel durch oder warf sein Hauptnahrungsmittel, Nudeln, auf den Boden. Wenn man das dann so sieht, hach, da kann man doch durchatmen und sich sagen: Es ist eben doch überall das Gleiche und alles normal.

Das Ömchen wird demnächst auch eingepackt
Was uns besonders positiv aufgefallen ist, sind die verschiedenen Reiseteilnehmer-Konstellationen. Viele Familien hatten die Oma und/oder den Opa – oder die (Paten-)Tante im Gepäck! So viele Familien waren in Konstellationen angereist, die die Kernfamilie überschritt. Wie toll; alle haben etwas davon. Ich meine, wie schön wäre es, wenn Abbi und der Muck abends mal dem Ömchen zeigen können, wie sie die Kinderdisco rocken, während Mama und Papa Lampenhügel eben noch in Ruhe aufessen? Oder wenn die Tante Zeuge sein kann, wie der Muck das nächste Mal einen seiner berühmten Sand-Lollis isst..? Es wäre für alle Beteiligten schön und wir könnten die Verantwortung einmal aufteilen; so, wie das in einer Großfamilie selbstverständlich vonstatten geht. (Über die auseinander verwehten Familienkonstellationen hatte ich mir übrigens hier schon einmal Gedanken gemacht). Ich kenne das Reisen mit meiner Maam; seit meiner Teenagerzeit sind wir unzählige Male zusammen in die Bretagne gefahren. Mit ihren Schwestern, also meinen Tanten und meinen Cousinen; in immer wieder dieselben Häuschen am Meer. Einige Male durften auch die Männer mitkommen, aber hauptsächlich waren es die Frauen, die zusammen urlaubten. Weibsenalarm. Diese verschiedenen, weiblichen Konstellationen, diese Urlaube, haben immer etwas ganz besonderes und behütetes an sich. Wir sind eine große Familie, in der genossen, gesportelt, gefaulenzt, gut gekocht und gegessen, ans Eingemachte gegangen, geredet, manchmal auch gezetert aber hauptsächlich viel gelacht wird. Zuletzt waren Abbi und ich auch schon zusammen dabei. Es war toll.
Warum also sollte das Ömchen nicht mal bei uns als Hauptfamilienbestandteil mitkommen? Ich werde ihr das gleich nächste Woche unterbreiten.

Hoffentlich ist bald schon wieder Winter!

–> Frage: Habt Ihr schon einmal Urlaub mit den Großeltern oder anderen Familienmitgliedern zusammen gemacht? Habt Ihr das auch als angenehm empfunden? Das würde mich interessieren!

Ein kleines PS-Anekdötchen:
Und ich wäre ja nicht ich, wenn ich die Rückreise nicht mindestens genau so aufgeregt gestaltet hätte wie die Hinreise: Als wir nämlich vor der Abreise alle nervösen und davonlaufenden Kinder wieder eingefangen hatten und endlich im Bustransfer zum Flughafen saßen, da bemerkte ich irgendwann, dass meine Umhängetasche nicht mitgekommen war. Ist ja erstmal nicht so schlimm – so ne graue Tasche lässt man schon mal liegen. Nur waren da alle Pässe und mein Handy und einfach ALLES drin. AAALLES!! Mir schoss das Blut in den Kopf. Ich malte mir sofort ein Horror-Szenario aus: Wir können nicht zurückfliegen, müssen teure, neue Flüge buchen, über Nacht in ein anderes Hotel einchecken, weil heute kein Flieger mehr geht, tausende von Euros bezahlen… und so weiter. Weil ICH zum ersten Mal in meinem Leben meine Tasche irgendwo stehen lassen habe! Irrrrrgendwo! Da war es wieder: WTF! Mein erhitztes Gemüt hatte es schwer, sich unter Kontrolle zu halten und nicht laut zu fluchen und alles zu verdammen! Und das schlimmste: Ich hatte überhaupt keine Ahnung, wo ich meine schöne, graue, verkackte Tasche denn nun liegen lassen hatte! Der Abreise-Zeitraum war durch die beiden Kinder so konfus gewesen, dass ich das Einladen unseres Gepäckes in den Bus nicht mitverfolgt hatte. Auch Herr Lampenhügel war nur teilweise dabei gewesen und deshalb war es uns beiden nicht aufgefallen, dass die Tasche nicht da war. Bis zu unserem Anruf an der Rezeption lag sie noch hübsch am Sesselbein im Fotoladen angelehnt. In dem Fotoladen hatten wir ganz schnell noch eine Zahnspange gekauft. Nein mann, Fotos! Dann kamen ein paar Engel mit ins Spiel. Die emsige Belegschaft des Clubs konnte sozusagen eine private Taxifahrt für das Täschlein organisieren; die Eltern eines Angestellten wollten nämlich gerade auch zum Flughafen fahren und erklärten sich bereit, die Tasche mitzunehmen und uns auszuhändigen. Wir trafen Elke und Bernd 1,5 Std. später am Schalter; gerade noch rechtzeitig zum Einchecken. Guten Flug!

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