… Und es gibt sie DOCH!

25. Juni 2017 — Hinterlasse einen Kommentar


– das fast vergessene Gefühl von Freiheit –

Abbi ist jetzt fast 4 Jahre alt und ich empfinde sie als sehr selbstständig. Sie bewegt sich mutig und frei und trägt dieses Urvertrauen in sich, dass ihr schon nichts passieren wird. Ist es auch noch nicht – nie. Also von furchtbaren Schürfwunden oder kaum ertragbaren, blauen Flecken mal abgesehen, hat sie sich noch nie ernsthaft verletzt. Sie schätzt sich und ihre Fähigkeiten gut ein und verschafft sich immer erst einen Überblick, bevor sie loslegt. Das fand ich schon immer toll an ihr. Diese Selbstständigkeit verlangt natürlich auch Loslassen von meiner Seite. Ich ‚muss‘ ihr ganz viel zutrauen und ich traue mich das auch. Ich kenne sie ja, meine Abbi.

Als ich Kind war, hatte ich massig „Auslauf“, immer in abgestecktem Gebiet – aber es war ein großes Gebiet! Wir wohnten sozusagen am Hang; hinterm Hang „nur“ Apfelplantagen, Felder, Wiesen und unbegehbares, dichtes Terrain. Ich erlebte eine kniegeschundene, ich sage immer dreckfressende Kindheit. Es war großartig! Ich war in der Natur, habe mich gemessen und habe mich gespürt! Ich hatte das Glück in diese Welt hineingeboren worden zu sein. (Über Glück und Unglück diesbezüglich hatte ich hier schon einmal geschrieben –„Das Sandmädchen“– ). Heute bin ich froh, da zu wohnen, wo wir seit knapp 3 Jahren wohnen, und unseren Kindern annähernd ähnliche Verhältnisse bieten zu können: Terrassentür auf, raus in den Garten. Keine Apfelplantagen, immerhin ein Apfelbaum. Gras, Blumen, Kräuter. Weite – zumindest nach ihrem Empfinden. Ich frage mich oft, wie Eltern das im Alltag regeln, die inmitten der Stadt wohnen und ihre Kinder wegen zu hoher Gefahr keinen Schritt alleine vor die Tür gehen lassen können. Unser halbstädtisch/-ländliches Feeling ist schon ganz gut – allerdings nicht zu vergleichen mit dem Gefühl, das da herrscht…,

wo die Einhörner wohnen.
img_7351… denn da ist das Paradies. Da gibt es Freiheit. Freiheit für die Kinder, sich ohne Aufsicht bewegen zu dürfen. Aus den Augen der Eltern. Abenteuer pur.

Unser Ausflug zum Einhorn und in die Freiheit
Kürzlich haben die Kinder und ich meine Freundin und ihre Familie besucht, die unweit unserer geliebter Domstadt in einem alten, unglaublich schön hergerichteten Gutshofgelände wohnen. Wir kennen uns schon ein paar Jahre (und sind immer noch befreundet! 😉 !), wir waren aber erstmals länger, nämlich über’s Wochenende dort. Unsere Kinder, je zwei und zwei sind im GENAU gleichen Alter, und ihr Sohn und Abbi sind beste Freunde. Zu viert haben sie alles genossen: Platz, Wiese, Melone auf der Picknickdecke, gemeinsame Mahlzeiten, die Spielscheune, Fußballspielen, den Pool im parkähnlichen Großgarten und die Gemeinschaft untereinander! Auch für uns Mütter war es leichter (und schöner!), gemeinsam die 4-köpfige Meute zu unterhalten, als alleine jeweils 2. Es wohnen auch einige andere Kinder dort, natürlich auch deren Eltern; auch das war bereichernd. Die Gemeinschaft, die die Anwohner aktiv leben, ist toll; da ist niemand fremd und trotzdem haben alle ihre Rückzugsmöglichkeiten. Dieser Plan geht auf jeden Fall auf! In vielen Belangen ist das Leben dort idyllisch und beneidenswert schön.
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Uns boten sich unzählige Spielmöglichkeiten: Z.T. ergaben sie sich einfach aus der Natur, z.B. Himbeeren pflücken und essen! Auf dem großzügigen Gelände können die Kinder nicht wirklich verloren gehen. Und falls doch, stromern sie auf der Nachbarskoppel herum, auf der 3 Gäule stehen, oder Ziegen. Man muss sich nicht sorgen, wenn ein Kind mal außer Sicht gerät. WAS für ein erleichternder Umstand! Aus dieser Situation heraus haben sie sich äußerst lange alleine beschäftigt! Wo kann man das heute schon noch tun und wer kann das heute schon noch tun?? Sie über einen gewissen Zeitraum ohne elterliche Aufsicht lassen?

Wir verbrachten dort schöne, heiße Tage; abwechselnd mit Plantschen img_7354(natürlich auch mit dem Einhorn!), Wasserschlauchspritzereien, mit Katzen streicheln und Stockwerfen für den Hund. Unsere Kinder, aber besonders die 2 „Großen“ waren immer mal wieder alleine unterwegs; z.B. sind sie ganz ans andere Ende des Hofgebietes hinüber gelaufen zur Spielscheune. Das war die reinste Mutprobe für mich: Abbi aus meinen Argusaugen zu entlassen. Meine Argusaugen tun ihre Arbeit nämlich gerne und sehr sorgfältig! Aber wir zwei Muttis haben uns immer gesagt: Wenn ihnen etwas passieren würde, würden sie eh klagend zurückkommen (oder der andere würde Hilfe holen). Aber nichts passierte. Im Gegenteil: Wenn wir sie heimlich beobachteten, waren sie innig in ihr Spiel vertieft oder unterstützten sich gegenseitig bei diversen Spielaktionen (z.B. Aufsteigen auf die Seilbahn).

Diese besagte Spielscheune ist übrigens ungefähr 3 Mal so groß wie unsere Wohnung (huäää!): Komplett ausgelegt mit Stroh, einer hohen Seilbahn, einem Trampolin, einer deckenhohen Schaukel, usw. usw. img_7339Alles dort ist ein Abenteuer! Und die Kinder haben es aufgesaugt.; und Verantwortung übernommen. Z.B. haben sie sich gegenseitig die Seilbahn herangeholt und übergeben. Sogar die Kleinen (Sieheimg_7349-1 Foto!). Dieser Entdeckergeist und das alles ist in ihnen drin! Man muss ihm nur erlauben, rauszukommen; man muss den Kindern erlauben, ihnen die Freiheit schenken, ihn zu entdecken! Das Abenteuer, Stufen zu erklimmen; den eigenen Mut zu finden und sichimg_7335 auch mal zu überwinden – etwas zu schaffen – ALLEINE! DAS war an dem Wochenende so! Abbi und ihr bester Freund sind ständig zu zweit losgetigert. Auch wie sie einander fragten: Er: „Aaabbi…willst Du met mia sssaukeln gehen?? In der Sseune?“ Und sie darauf: „Ja, mein lieber Freund, is mösste das sooo gerne mit Dir machen!“ Wirklich entzückend. Ja und dann juckelten sie davon, um die Ecke und weg. Hand in Hand. Ich wäre am liebsten sofort hinterher – ich meine, ich bin zwar recht saucool (…), aber das ist ja hart antrainiert und kommt nicht von ungefähr.

Ich weiß noch, wie es sich damals als Kind für mich angefühlt hat, wenn ich durchs Dickicht gestreift bin, mit meinem Bruder und meinem besten Freund und meinem Hausschlüssel um den Hals. Es war alles gut so.

Und ich fand es jetzt toll, dieses Gefühl von Freiheit bei meiner Tochter zu sehen.


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